Sa Calobra und Torrent de Pareis - ein faszinierender Roadtrip
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Sa Calobra und Torrent de Pareis – Mallorcas faszinierender Roadtrip

4.6
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Schon lange standen sie auf der Ausflugs-Wunschliste ganz oben: Sa Calobra und Torrent de Pareis – Mallorcas schwierigste Karawattenknoten-Serpentinenstraße und der beeindruckendste Canyon der Insel. Unser faszinierender Roadtrip führte uns jetzt dahin.

Ziel: Sa Calobra und Torrent de Pareis – wie kommst du hin?

Zunächst einmal: Der Weg ist schon Teil des Ziels! Umwerfend.

Es geht ins Tramuntana-Gebirge, das 2011 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Um in das nordwestlich auf Mallorca gelegene kleine Dörfchen Sa Calobra zu kommen, gibt es folgende drei Möglichkeiten.

1. Einfach mit dem Schiff

Sa Calobra wird im Sommer von Port de Soller aus mit dem Schiff angesteuert, für ca. 30 Euro pro Erwachsenem für die Hin- und Rückfahrt. Die Tour führt an der Küste entlang und bietet spektakuläre Blicke auf Mallorca vom Wasser aus. Zudem sparst du dir die anstrengende Fahrt über die Serpentinenstraße, gerade wenn du kein Fan von engen Straßen bist oder dir im Auto eventuell übel wird.

Zu empfehlen ist die Anreise mit dem Schiff auch besonders im Sommer zur Hauptreisezeit. Bei viel Verkehr ist die Autofahrt sicher nicht so prickelnd.

2. Schwieriges Wandern durch die gesamte Schlucht nach unten

Eine Wanderung durch die Schlucht des Torrent de Pareis von Escorca aus bis zur Mündung bei Sa Calobra als Zielstation bietet sich an, wenn du sehr fit bist. Hierfür startest du in Port de Soller und nimmst den Bus Richtung Valdemossa bis zu dem Dorf Escorca, wo die Wanderung abwärts startet.

Am Ziel in Sa Calobra angekommen, kannst du dann mit dem Boot wieder nach Port de Soller kommen. Den Fahrplan findest du hier.

Voraussetzung: gute Wanderqualitäten

Für diese Wanderung brauchst du aber auf jeden Fall eine gute Wanderausrüstung, vor allem gute Bergstiefel, Kondition, Klettererfahrung und Trittsicherheit. Wer nicht die richtige Kleidung dabei hat, womöglich noch nie gewandert ist, der sollte es lassen.

Mit einer geführten Tour ist man da auf jeden Fall auf der sicheren Seite, u. a. Astrid Prinzessin zu Stolberg bietet solche Wanderungen an.

Beste Zeit

Als günstigste Zeit für die Durchquerung gelten die Monate Mai bis September. Aber selbst dann kann es passieren, dass man knietief durch Wasser waten oder sogar schwimmen muss. Auch in trockenen Frühlings- und Wintermonaten ist es manchmal möglich, den Torrent zu durchklettern. Normalerweise ist das Bachbett 10 Tage nach einem heftigen Regenfall wieder trocken. Mehr Informationen gibt es hier.

Auf jeden Fall sollte diese Wanderung gut geplant sein, damit sie nicht zum Alptraum wird.

3. Mutig mit dem Auto

Wenn du gerne Auto fährst, dann ist diese Strecke ein Muss! Enge Serpentinen, steil aufragende Felsen und ebenso steil abfallende Abhänge, immer gucken, ob womöglich ein Auto oder Schlimmeres – z. B. ein Bus – entgegenkommt – das ist der Hammer! Diese Strecke schlägt alle anderen auf der Insel aus dem Feld. Unbedingt empfehlenswert.

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Sa Calobra und Torrent de Pareis – der Weg ist das Ziel

Leider kann der Fahrer nicht viel von der umwerfenden Landschaft mitbekommen, weil er sich wirklich auf´s Fahren konzentrieren muss. Wir wechseln uns deshalb ab: einer hin, eine zurück. Aber auch das Fahren an sich ist ein Highlight, macht Spaß und ist aufregend.

Auch der Beifahrer muss einen gewissen Nervenkitzel abkönnen, denn es ist nicht jedermanns Sache, wenn der Abgrund neben dir in einem halben Meter Entfernung lauert und gerade ein LKW oder Bus entgegenkommt.

Viele Serpentinen und der Krawattenknoten Mallorcas

Man könnte auch sagen: Das wahre Abenteuer ist die Anreise! Mit dem Auto aus Richtung Inca kommend, geht es durch Bergdörfer, rauf, runter, rauf, runter, durch dichten Wald schlängelnd. Hier hilft eindeutig das Automatikgetriebe. Eigentlich würde das ja an Aufregung und spektakulären Aussichten schon reichen, aber dann beginnt die Abfahrt nach Sa Calobra.

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Sa Calobra und Torrent de Pareis – im April noch Schnee auf den Bergspitzen

In Haarnadelkurven geht es den letzten Berg hinauf und dann … steil bergab. In vielen Kurven, eng, enger, am engsten. Keine nennenswerten Leitplanken, Abhänge in die Tiefe. Liegt da etwa ein Auto?

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Sa Calobra und Torrent de Pareis – der Krawattenknoten (Nus de sa Corbata)

Es gibt keine Sicht auf das, was hinter der Kurve wartet. Kommt nichts? Fahrradfahrer? Gegenverkehr? Ein Reisebus, der die komplette Straßenbreite füllt? Kaum, wir haben Glück, denn diesmal gilt: dank Corona gibt es nur wenig Verkehr. Zur uneingeschränkten Hauptreisezeit möchte ich diese Fahrt nicht machen.

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Sa Calobra und Torrent de Pareis – kein Platz für zwei
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Sa Calobra und Torrent de Pareis – da geht´s hinab

Endlich unten – Sa Calobra

Sa Calobra kann man eigentlich nicht einmal als Dorf bezeichnen, so klein ist es. Das Fleckchen liegt in der Gemeinde Escorca. Gemeinsam mit der Siedlung Cala Tuent, für die es auf der Serpentinenstraße einen kleinen Abzweiger gibt, wohnen in dem Örtchen gerade einmal 72 Einwohner (Stand 2019).

Im Sommer jedoch, wenn nicht gerade Corona herrscht, kommen täglich Tausende von Touristen hierher und verbreiten Unruhe. Jetzt aber, Anfang April und mit den Corona-Beschränkungen, ist es herrlich leer, wir genießen diese einzigartige Bucht.

Aber zuerst stärken wir uns ein wenig.

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Sa Calobra und Torrent de Pareis – da ist noch Platz für uns neben wenigen Besuchern

Direkt oberhalb des Kiesstrandes finden wir eine Terrasse und konnten uns kaum entscheiden, was wir essen sollten. Aioli und Oliven mit Brot, dann Empanadas und ein Mandelkuchen – eigentlich viel zu viel, aber soooo gut.

Gut gestärkt geht es jetzt in Richtung Torrent de Pareis.

Was ist der Torrent de Pareis?

Auf Mallorca gibt es keine Flüsse, es gibt aber Torrents. Das sind nicht ständig Wasser führende Abflüsse für die Regenmassen aus den Bergen, um im Winter und Frühjahr die Feuchtigkeitsmassen mehr oder weniger sicher ins Meer zu befördern.

Der Torrent de Pareis ist ein ziemlich wuchtiger Sturzbach, der vom Tramuntana-Gebirge in Mallorcas Norden abfließt und schließlich nach ungefähr 3 Kilometern bei Sa Calobra im Meer endet. Das klingt erst mal nicht so aufregend, ist aber tatsächlich der Wahnsinn! Der Torrent hat eine teilweise weit über hundert Meter tiefe Schlucht gegraben, die sich Richtung Meer zu einem Tal von beeindruckender Größe verbreitert – einer der größten Canyons Europas!

Diese eindrucksvolle Schlucht wurde durch einen reißender Sturzbach über die Jahre auf dem Weg zum Meer in den Fels gehöhlt. Er führt jedoch nur in den Wintermonaten Wasser oder bei sehr starkem Niederschlag.

Deshalb kann die Schlucht des Torrent de Pareis nur in den trockenen Sommermonaten erwandert werden, wenn der Sturzbach wenig oder kaum Wasser führt. Ein Besuch zu einer anderen Jahreszeit könnte durchaus sozusagen ins Wasser fallen und ist gefährlich.

Der Weg zur Schlucht

Der Weg zur Schlucht ist gut erkennbar und ausgeschildert. Das wirkt ein bisschen touristisch, sollte aber niemanden vom Besuch abhalten. Es geht durch einen kurzen, wenig beleuchteten Tunnel. Mein Mann mit seinen knapp 2 Metern Größe musste etwas den Kopf einziehen.

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Sa Calobra und Torrent de Pareis – wunderschöne Bucht

Nach dem Tunnel erwartet uns dann die Überraschung: eine ganz andere Landschaft als alles, was wir bisher auf Mallorca gesehen haben.

Die Schlucht des Torrent de Pareis

Der einzige Zugang nach Sa Calobra war lange Zeit der Seeweg oder eben durch diese gefährliche Felsschlucht. Kein Wunder, dass bis in die 1930er Jahre nur ca. 30 Menschen hier lebten.

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Torrent de Pareis – Kiesstrand

Wir haben uns für die Kurztour durch den Torrent de Pareis entschieden, vom Ausgang des Canyons bis zu einer Verengung auf wenige Meter.

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Sa Calobra und Torrent de Pareis – gewaltige Felsen

Es geht über Kiesbänke, entlang des Sturzbaches, manchmal muss man ihn auch überqueren und dabei von Stein zu Stein hüpfen. Unsere Stiefel sind, das erweist sich einmal mehr, sehr wasserdicht bis über die Knöchel. Wenn das Wasser noch höher stände, wäre es barfuß besser.

Wir umgehen aber eine tiefere Stelle über einen Weg durch dichtes Schilf. Das täte ich ungern barfuß.

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Torrent de Pareis – Schilfpfad neben dem Torrent
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Torrent de Pareis – dichtes Schilf

Immer schroffer werden die Felsen, teilweise sieht man Tropfsteinhöhlen an den Rändern.

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Sa Calobra und Torrent de Pareis – durchs Wasser oder nicht?

Von Stein zu Stein, sonst wirst du nass.

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Torrent de Pareis – von Stein zu Stein
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Torrent de Pareis – auf Steinen durch das Wasser

Nach mehreren engen Stellen, die man über seitliche Pfade überwinden kann, kommen wir schließlich an einen meterhohen Klotz, an dem wir beschließen, für diesmal den Rückweg anzutreten.

Einzigartige Flora und Fauna

Der Torrent de Pareis ist seit 2003 als Monument Natural (Naturdenkmal) geschützt. Die Pflanzen- und Tierwelt ist hier einzigartig und begründet sich in der unberührten Karstlandschaft und dem Mikroklima von wenig Sonne und viel Feuchtigkeit. Unter anderen endemischen, also nur auf Mallorca vorkommenden, Arten gibt es hier an einigen, besonders unzugänglichen Stellen der Schlucht einen kleinen Bestand der Mallorca-Geburtshelferkröte (Alytes muletensis), eine ausschließlich auf Mallorca vorkommende Amphibie, die vom Aussterben bedroht und durch Gesetz geschützt ist.

Zurück nach Sa Calobra

Auch der Rückweg eröffnet neue Einsichten, überhaupt ist es erstaunlich, wie unterschiedlich manche Ansichten sich darstellen, je nach Perspektive.

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Sa Calobra und Torrent de Pareis – Ausgang der Schlucht

Am Ausgang der Schlucht bietet sich uns wieder der Blick auf das wunderbar türkisfarbene Meer. Offenbar auch ein beliebter Ankerplatz.

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Sa Calobra und Torrent de Pareis – Blick auf Sa Calobra und seinen kleinen Kiesstrand

Fazit

Sa Calobra und Torrent de Pareis, Mallorcas Grand Canyon, gehören auf jeden Fall zu den beeindruckendsten Naturschönheiten auf Mallorca und sind auch für Nicht-Wanderer ein Erlebnis. Das Schöne ist, dass man die Flussmündung des Torrent de Pareis auf den drei oben genannten Wegen erreichen kann. Du hast also die Wahl.

Außerdem ist es ein Ziel, das seinen größten Charme gerade außerhalb der Hauptsaison entfalten kann. Vor allem im Frühjahr oder Herbst, wenn es nicht so überlaufen ist, empfehle ich unbedingt, einmal hierher zu kommen.

Je nachdem, aus welcher Richtung du anreist, solltest du dafür mindestens einen halben Tag einplanen, bei einer Wanderung natürlich den kompletten Tag.

Hast du jetzt Lust bekommen, dieses einmalige Mallorca-Ziel für dich zu erkunden? Oder warst du schon einmal dort? Schreib doch mal, wie es dir gefallen hat.

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5 Comments

  • Hans-Rudolf

    Am 30.Mai ist nicht der „Weltuntergang“. Doch ich fühlte mich am vergangenen Sonntag als Beifahrer auf der Serpentinenstrecke mit Kravattenknoten teilweise wie in der Hölle des Infernos wieder. Dazu dauernd Radfahrer (die ich natürlich bewunderte solche Bergstrecken zu fahren) die aber die Straße zusätzlich verengten. Als Autofahrer ist es schon anstrengend, doch als Beifahrer nicht minder. Trotzdem ein MUSS für jeden Besucher.

  • Jörg

    Was für ein krasser Gegensatz! Ich sitze im Wagen, warte auf meine Tochter und es hagelt und stürmt. Und dann dieser Bericht über Serpentinen, schroffen Felsen und tolle Schluchten.
    Die Bilder dazu sind spannend, aber deine Worte reichen schon fast um mich zu euch ins Auto zu versetzen.
    Zu Hause werde ich dann gleich das Internet bemühen um die Strecke wenigstens mal aus der Vogelperspektive zu sehen.
    Auf jeden Fall Kommt diese Tour auf unsere Liste für den Besuch auf der Insel im Sommer.
    Vielen Dank für diesen kleinen Kick Vorfreude!

  • Heidi Fröhlich

    Uijuijuijui, da stellt es mir die Nackenhaare auf, vor lauter Spannung bei dieser abenteuerlichen Tour. Gleichzeitig find ich es total faszinierend, diese wunderschönen Fotos zu sehen. Auf jeden Fall sehr beeindruckend. Da bekommt man schon Lust auf ein kleines Abenteuer.
    Danke für diese Einsicht in die wunderschöne Natur Mallorcas.

  • Susanne

    Was für ein schöner Bericht über diese besondere und spektakuläre Ecke Mallorcas!!!

    Wir waren tatsächlich schon zweimal dort, das erste Mal zu viert :-), mit unserem 2,5jährigen Sohn und – ganz wichtig! – seinem Bagger, der nicht fehlen durfte und der auch gut zum Einsatz kam im Kiesbett der Schlucht.
    Und dann nochmal als Revival zu dritt (ohne Bagger) in dem schönen Herbsturlaub, als wir unter anderem auch Gast in Santa Ponsa waren…

    Lauter tolle Erinnerungen – dank Dir für diesen super Start in die Woche!!!!

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