Was ist eigentlich eine Auszeit?
Manchmal braucht es nur einen kleinen Moment, damit sich etwas sortiert.
Kein großes Ereignis, kein Einschnitt – eher eine Situation, die einen kurz innehalten lässt.
Bei mir war es eine Auszeit, ausgerechnet.
Beim Handball. Während der Europameisterschaft im Januar.
Ich saß abends im Hotelzimmer auf Usedom. Draußen das Meer, drinnen der Fernseher.
Der Trainer nimmt eine Auszeit. Und plötzlich bei mir im Kopf: Was ist eigentlich eine Auszeit?
Die Mannschaft kommt zusammen, es wird kurz still. Ein Schluck Wasser, ein paar ruhige Worte, ein Moment zum Sammeln, ein Beschwören des Ziels.
Nichts Außergewöhnliches, das gehört beim Spiel dazu, gehört zur Taktik, ist ein wichtiges Element und gibt dem Spiel einen neuen Impuls.
Und da war plötzlich dieser Gedanke:
Warum fällt uns genau das im Alltag eigentlich so schwer? Sich kurz sammeln, durchatmen, überdenken? Warum halten wir häufig einfach durch, machen weiter ohne Pause, hetzen dem Zeitplan hinterher?
Was ist eigentlich eine Auszeit? Darf ich sie mir nehmen?
Auszeiten begleiten mich schon lange – in ganz unterschiedlichen Formen.
Was ist eigentlich eine Auszeit? : Die kleine Auszeit: 1x Alltag raus – Erlebnis rein
Auszeit – ein selbstverständlicher Moment im Sport
Im Sport ist eine Auszeit nichts Besonderes. (Mehr dazu in den offiziellen Regeln der Handball-EM.)
Sie gehört dazu. Sie ist erlaubt, sinnvoll und notwendig.
Die Auszeit ist im Sport eine kurze Spielunterbrechung, die taktisch und zur Erholung genutzt wird. Niemand stellt sie infrage, niemand rechtfertigt sie.
Das Spiel wird unterbrochen, damit es danach klarer und zielgerichteter weitergehen kann.
Vielleicht habe ich auch deshalb einen besonderen Bezug zu diesem Wort.
Ich habe Sport studiert, ich schaue leidenschaftlich gern Sport – Handball, Olympia, Wettkämpfe aller Art. Und im Sport ist völlig klar: Ohne Auszeit geht es meist nicht.
Warum uns Auszeiten im Alltag so schwerfallen
Im Alltag ist das anders, da machen wir meist weiter, auch wenn wir merken, dass das Tempo zu hoch wird. Da gibt es immer Dinge zu tun, Sachen zu erledigen, Ansprüchen zu genügen, den Zeitplan einzuhalten.
Und wir machen meist weiter, obwohl wir wissen, dass wir in manchen Situationen kurz raus müssten, um danach wieder sortierter reinzugehen. Wir halten durch, obwohl es uns nicht gut tut, obwohl schon ein kurzes Durchatmen vieles ändern könnte. Wir wissen das eigentlich.
Auch Studien zeigen inzwischen, was wir eigentlich längst spüren: Kurze Pausen helfen messbar – der Aufmerksamkeit und dem Wohlbefinden. Studie zu den Vorteilen von Pausen und Erholung
Und auch Alleinsein an sich ist noch keine Auszeit, bedeutet noch keinen Rückzug. Seitdem ich häufiger allein unterwegs bin, nehme ich Manches bewusster wahr. Lies dazu: Das erste Mal ganz alleine reisen – alles ist anders
Eine wirkliche Auszeit wird es aber erst dann, wenn ich mich bewusst rausziehe, mir Zeit nehme, auf Stopp drücke. Erst dann ist es für mich eine Auszeit. Zeit, um bei mir zu sein, Gedanken zu ordnen und wieder Orientierung zu finden.
Gemeinsame Auszeiten
Eine Auszeit gemeinsam mit jemand anderem kann auch eine solche Auszeit sein. Gerade meine letzte Reise nach Usedom hat mir das noch einmal gezeigt.
Die Reise mit meiner Freundin war leicht und lebendig.
Viel Austausch, gemeinsames Erleben, Lachen, neue Eindrücke, Neues gelernt. Fern vom Alltag.
Die Auszeiten allein im Jahr davor waren anders.
Ruhiger, konzentrierter, näher bei mir. Aber auch da: bewusstes Erleben, sich alleine erproben, sich alleine aushalten.
Beides hatte seine Berechtigung und hat gut getan.
Beides war eine Auszeit – nur mit einem unterschiedlichen Schwerpunkt.
Und genau das ist mir dort noch einmal klar geworden:
Eine Auszeit ist nicht immer gleich. Sie richtet sich nach dem, was man gerade braucht.
Mehr dazu habe ich in meinem Beitrag Das erste Mal ganz alleine reisen – alles ist anders geschrieben.
Meine Auszeiten – bewusst und flexibel
Manchmal dauert eine Auszeit ein paar Tage, manchmal ein Wochenende, manchmal eine Woche.
Manchmal reichen auch ein paar Stunden.
Ob auf Usedom, allein auf Mallorca oder einfach an einem See – diese Zeiten geben mir Raum.
Raum, um durchzuatmen, den Kopf frei zu bekommen, Entscheidungen zu überdenken oder einfach nur präsent zu sein.
Nicht, um das Leben anzuhalten, sondern um bewusster weiterzugehen.
Nach der Auszeit: zurück – aber anders
Wie beim Sport endet auch eine Auszeit irgendwann.
Man kehrt zurück, nicht hektischer als zuvor, sondern sortierter. Nicht ins Weiter so, sondern etwas ruhiger, mit etwas Abstand. Das tut gut, nicht nur mir, sondern auch meinem Leben.
Für mich bedeutet das: zurück ins Leben, aber im eigenen Tempo. Das heißt nicht unbedingt langsamer, sondern eben bewusster.
Nicht fremdgesteuert, nicht getrieben, sondern mit Ruhe und Klarheit. Und manchmal auch mit Entscheidungen.
Was ist eigentlich eine Auszeit? Ich muss sie mir nehmen!
Eine Auszeit ist für mich ein Moment, in dem ich wieder bei mir ankomme.
Danach fühlt sich vieles nicht neu an – aber klarer.
Es braucht dafür weder viel Zeit noch viel Geld, oft reichen frische Luft und ein Raus aus der Situation, ein gedankliches Abschalten. Ein paar Minuten, wenige Stunden, wenn es geht natürlich auch gerne ein paar Tage, und du wirst es merken.
Was ist eigentlich eine Auszeit? Das war die Frage. Für mich ist sie kein Luxus, kein Privileg, sie muss nichts kosten als deine Entscheidung, dich aus deinem Alltag rauszunehmen, kurz oder etwas länger. Du wirst sehen, das gibt dir wieder Klarheit und Kraft.
Da sind wir dann zurück beim Sport: Nach der Auszeit läuft es wieder.
Wenn du tiefer ins Thema Auszeit eintauchen möchtest, findest du auf meinem Blog weitere persönliche Beiträge dazu.
Wann war deine letzte echte Auszeit? Vielleicht ist heute ein guter Moment dafür.






2 Comments
Gudrun
Liebe Karen,
du sprichst mir aus dem Herzen. Auszeiten sind so wichtig. Vor 25 Jahren habe ich das noch nicht so gesehen und bin voll in ein Burnout gerauscht. Damals kannte ich den Ausdruck noch nicht, aber das Ergebnis war dasselbe. Seitdem bin ich schlauer. Danke für diesen interessanten Beitrag.
Liebe Grüße
Gudrun
Karen
Liebe Gudrun,
ich glaube auch, dass durch rechtzeitige Auszeiten – oder wie immer man das nennen will – dieses Ausbrennen, Burnout eben, verhindert werden könnte. Manchmal reicht einfach schon ein Spaziergang im Wald, am Meer oder an sonst einem ruhigen Ort. Auslüften, Abschalten, Loslassen.
Vielen Dank für deinen Kommentar zu diesem Thema und bis bald
liebe Grüße
Karen