Am 8. März ist Internationaler Tag der Frauen
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Am 8. März ist Internationaler Tag der Frauen

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Der 8. März ist für uns Frauen ein besonderer Tag, denn es ist Internationaler Tag der Frauen, der oft auch Weltfrauentag genannt wird. Der Tag ist ein Symbol für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau.

Dieses Thema kann ich nicht einfach vorbeigehen lassen, ohne darüber zu schreiben. Deshalb Gedanken zum Weltfrauentag.

Was steckt hinter dem Weltfrauentag?

Internationaler Tag der Frauen, den gibt es seit 1911. Das ist der Tag, an dem weltweit auf Frauenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam gemacht wird. Der Tag soll die bisherigen Errungenschaften der Frauenrechtsbewegung feiern, die Aufmerksamkeit auf noch bestehende Diskriminierung und Ungleichheiten richten und dazu ermuntern, sich für eine Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen. 

Hauptziel: Wahlrecht für Frauen

Das ursprüngliche Hauptziel der Frauenbewegung war es aber, das Wahlrecht für Frauen durchzusetzen. Um das Jahr 1900 herum hatten Frauen

  • kein Wahlrecht
  • konnten sich nicht aktiv am politischen Geschehen beteiligen
  • durften keiner Partei beitreten
  • durften nicht studieren
  • durften nur mit Erlaubnis ihres Vaters oder Mannes arbeiten.

Es wurde Zeit, das zu ändern.

Erste Erfolge

1910 spricht sich die Frauenrechtlerin Clara Zetkin auf einer Konferenz sozialistischer Frauen in Kopenhagen wiederholt für die Einführung eines internationalen Frauentages aus. Ein knappes Jahr später, am 19. März 1911, findet der Frauentag dann zum ersten Mal statt.

Internationaler Tag der Frauen - Clara Zetkin
Internationaler Tag der Frauen – Clara Zetkin

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, Dänemark, der Schweiz und den USA demonstrieren Frauen für ihr Wahlrecht.

Aber erst 1918 kam der Erfolg: Das aktive und passive Wahlrecht für Frauen wird Gesetz. 1919 durften Frauen in Deutschland zum ersten Mal aktiv an der Wahl teilnehmen – und sich auch selbst wählen lassen.

Übrigens:

  • In der Schweiz gibt es dasWahlrecht für Frauen erst seit 1971.
  • In Liechtenstein dürfen Frauen erst seit 1984 wählen.

Kaum zu glauben.

Rückfall während der Nazi-Zeit

Diese Erfolge, die Frauen bis dahin für sich erkämpft haben, brechen während der Zeit des Nationalsozialismus wieder in sich zusammen. Frauen werden hier vor allem als Mütter betrachtet. Und das ist auch ihr Auftrag: Kinder kriegen und das Heim hüten, für die Zucht sozusagen.

Die Mütter des Grundgesetzes

Artikel 3, Absatz 2 GG

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

Mütter des Grundgesetzes werden die nur vier Frauen genannt, die neben den 61 Männern des Parlamentarischen Rates 1948 das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland erstellten.

Vor allem Elisabeth Selbert setzte zusammen mit Friederike Nadig gegen großen Widerstand die Aufnahme des Artikels 3 Abs 2Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ in das Grundgesetz durch.

Die beiden anderen „Mütter“ des GG, Helene Weber und Helene Wessel, waren nicht für diesen Artikel.

Der Elisabeth-Selbert-Preis

Der Elisabeth-Selbert-Preis wird seit 1983 von der Hessischen Landesregierung verliehen. Er würdigt hervorragende Leistungen für Chancengleichheit und Gleichberechtigung. Der Preis wird im Zweijahresrhythmus an bundesweit lebende Frauen und Männer verliehen.

Preisträgerin 2017 ist Gabriele Möhlke, die den Preis erhielt für langjährige innovative und nachhaltige Projekte und Maßnahmen zur Integration von Mädchen und Frauen in die Berufswelt. Damit ermöglicht sie ihnen eine eigenständige Existenzsicherung und Lebensplanung.

Gabriele Möhlkes Kommentar zum heutigen Tag der Frauen: „… Ich bewundere diese Frau für ihren Mut und ihren Einfallsreichtum im Kampf für die Gleichberechtigung. 70 Jahre später haben Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen leider immer noch Gültigkeit. Es gibt viel zu tun: packen wir’s an!

Die neue Frauenbewegung

Wie ging es weiter? Es dauerte trotzdem noch lange, bevor sich wieder eine Frauenbewegung darauf besann, dass von Gleichberechtigung noch keine Rede sein konnte.

Erst in den 1960er Jahren rückten Internationaler Tag der Frauen und der Kampf um Gleichberechtigung wieder ins Bewusstsein. Das war dringend nötig, denn ohne die Zustimmung des Ehemannes ging für Frauen nach wie vor, trotz Artikel 3 Absatz 2 GG, nicht viel:

  • Bis 1962 durften Frauen kein eigenes Konto eröffnen.
  • Bis 1969 brauchten sie die Zustimmung ihres Mannes, um arbeiten zu dürfen …
  • und das ging auch nur, wenn die Frau es schaffte, die Arbeit mit ihren „Pflichten in Ehe und Familie“ zu vereinbaren.

Ganz bestimmt wurden diese Vorschriften in vielen Familien gar nicht mehr angewendet. Meine Erinnerungen zeigen ein anderes Bild. Sowohl meine Mutter als auch meine Schwiegermutter waren selbständige Frauen, berufstätig im Familienbetrieb, selbstbewusst und sie gaben auch Geld aus, ohne ständig um Erlaubnis zu bitten.

Aber rechtlich gesehen hat sich tatsächlich erst Ende der 1960er Jahre mehr Gleichberechtigung breit gemacht. Heute unvorstellbar.

Wie ist es heute bei uns?

Das ursprüngliche Ziel der Frauenbewegung, das Wahlrecht, ist bei uns lange erreicht.

Internationaler Tag der Frauen - Gleichberechtigung
Internationaler Tag der Frauen – Gleichberechtigung

Internationaler Tag der Frauen: Ist-Zustand

Ob die volle Gleichberechtigung und Chancengleichheit erreicht wurden? Darüber und entsprechend dann auch dafür kann man zumindest streiten. Rein rechtlich gesehen sicherlich schon, aber wie sieht es bei uns in der Realität aus?

In der Politik …

haben wir zwar Frauen in Führungspositionen: Kanzlerin, Ministerinnen, Ministerpräsidentinnen, in Amerika eine Vizepräsidentin. Aber der Anteil von Frauen in den Parlamenten ist immer noch zu klein.

In der Gesellschaft

gibt es die Gleichberechtigung in Deutschland. Aber die häufig vorkommende Gewalt gegen Frauen, auch oder gerade sexueller Natur, dient immer noch der Unterdrückung und Einschüchterung von Frauen. Das darf nicht sein und gehört geächtet. Hier müssen schnellere und bessere Maßnahmen getroffen werden, um Frauen zu unterstützen.

Auch die etwas subtileren Formen der „Kleinmachung“ von Frauen ist leider noch nicht verschwunden. Sei es das Lob für gutes Autofahren – bei Männern als selbstverständlich angesehen – , sei es die Frage nach der Vereinbarung von Beruf und Familie – auch das werden Männer eher selten gefragt, oder?

In der Arbeitswelt

scheint es teilweise noch ein mühsamer Weg zur vollen Gleichberechtigung und Anerkennung zu sein. Und man kann sich ja auch fragen, ob die Gehaltsvergleiche bezüglich des Equal-Pay-Day tatsächlich immer gleiche Arbeit, gleiche Arbeitszeit, gleiche Ausbildung und gleiche Erfahrung beinhalten. Es muss aber eben auch die gleichen Chancen geben.

In manchen Berufen gibt es sicher auch noch das sogenannte Old Boys Network, das mit dem tatsächlichen Alter der Männer gar nicht viel zu tun haben muss, sondern eher eine Einstellungssache ist. Dieses zu überwinden ist teilweise immer noch schwierig. In diesem Zusammenhang könnte ich auch die sogenannte gläserne Decke nennen, die es Frauen erschwert, in Führungspositionen zu kommen.

Allerdings hat es die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland wohl auch schlichtweg verschlafen, Frauen frühzeitig zu Ausbildungsgängen zu ermutigen, die heute für diese Positionen nötig sind. Da sind andere Länder besser gewesen.

Es braucht jetzt, Ansicht eines Executive Search Profis, noch etwas Zeit, bis es genügend qualifizierte Frauen für manche Führungspositionen gibt.

In diesem Jahr 2021 lautet passenderweise das Thema der Vereinten Nationen zum Internationalen Frauentag: Frauen in Führungspositionen: für eine gleichberechtigte Zukunft in einer COVID-19-Welt.

Darin geht es um nichts anderes als darum, dass Frauen und Männer gleiche Chancen und gleiche Möglichkeiten für Bildung und berufliches Weiterkommen haben müssen.

In der Sprache

sieht man bei uns neuerdings das Allheilmittel zur Gleichberechtigung in der Vergenderung: mit Sternchen gekennzeichnet, mit Pause gesprochen – zur Sprachverschönerung trägt das alles gerade nicht bei. Ob es der Gleichstellung hilft, möchte ich eher bezweifeln. Vor allem verhunzt es die Sprache, das stört mich.

Den Gedanken dahinter kann ich aber schon verstehen. Mein Vorschlag: Nehmen wir doch für die nächsten Jahre einfach von allem die weibliche Form, z. B. neue Bürgermeisterin oder Abgeordnete ist: Emil Meier oder Oskar Huber oder eben Michaela Mustermann … Das wäre doch ein fairer Ausgleich.

Andererseits ist es ja auch durchaus möglich, von Ärztinnen und Ärzten, von Lehrerinnen und Lehrern, von Nachbarinnen und Nachbarn usw. zu sprechen. Auch für Nachrichtensprecherinnen und Sprecher wäre das wohl nicht zu viel verlangt.

In der Familie

geht es weitgehend und zunehmend gleichberechtigt zu. Allerdings gibt es die Klagen, dass die Familienaufgaben nicht gleichberechtigt aufgeteilt werden, sondern immer noch zu traditionell. Das schlägt gerade jetzt während der Pandemie auch wieder sehr stark durch.

Meine Ansicht dazu: Es ist doch gerade ein Zeichen von Gleichberechtigung, wenn Partner sich die Arbeit aufteilen und besprechen, wer was am besten kann, am liebsten tut. Wichtig dabei ist aber ein fairer Ausgleich. Es darf nicht die gesamte Familienarbeit an einer Person hängen bleiben.

Gegenseitige Unterstützung ist selbstverständlich oder sollte, ja muss es sein. Meiner Erfahrung nach gibt es da gute Absprachen und Aufteilungen. Aber natürlich gibt es auch Bequemlichkeiten auf beiden Seiten, die manchmal Veränderungen behindern.

Nicht akzeptabel ist es, wenn sich ein Partner in einer Familie seiner Verantwortung entzieht und den anderen mit den Aufgaben und auch finanziellen Schwierigkeiten zurücklässt. Das sollte viel stärker geahndet werden, warum nicht, bei Zahlungsunwilligkeit, auch mit Sozialstunden? Und da sind wir wieder bei der Gesellschaft, siehe oben.

Verschärfung der Ungleichheiten in der Krise

Um noch einmal mit Gabriele Möhlke zu sprechen: „Die Corona-Krise schafft keine neuen Ungleichheiten, sondern verschärft sie.
Der internationale Frauentag gibt weltweit Frauen eine Stimme, um aufzurütteln und jede und jeden zu erinnern, einen Beitrag zur gesellschaftlichen Gleichstellung und Teilhabe zu leisten.“

Fazit

Ist ein Internationaler Tag der Frauen heute nur noch Symbol oder hat er noch seine Berechtigung?

Internationaler Tag der Frauen - nicht nur heute, sondern auch morgen
Internationaler Tag der Frauen – nicht nur heute, sondern auch morgen

Auf jeden Fall hat er das. Solange nicht alle Frauen auf dieser Welt die gleichen Chancen auf Selbstbestimmung, Bildung und Wohlstand haben, muss weiter darauf hingearbeitet und daran erinnert werden.

In meinem persönlichen und beruflichen Leben habe ich keine Behinderung erfahren aufgrund meines Geschlechts. Im Gegenteil: Ich konnte mir den Beruf auswählen, den ich wollte, konnte studieren und arbeiten, habe meine Entscheidungen selbst getroffen.

Dabei nehme ich aber Rücksicht auf meine Familie, auf Menschen, die mir viel bedeuten, denn Respekt vor den Bedürfnissen anderer gehört für mich zur Gleichberechtigung dazu.

Und natürlich habe ich profitiert von dem Erfolg der Frauenbewegung: dem Wahlrecht für Frauen. Ich konnte immer wählen und habe das immer getan, denn dieses Recht ist von den oben beschriebenen Frauen hart erkämpft worden. Das muss sein!

Wie hältst du es mit dem Wahlrecht? Gehst du immer wählen oder vergisst du es bzw. tust es nicht? Erzähl doch mal, warum.

Und welche Erfahrungen hast du mit der Gleichberechtigung gemacht? Hältst du sie für erreicht oder noch verbesserungswürdig?

Übrigens:

Wenn ich mich über etwas ärgere oder mich etwas beschäftigt, muss ich mir Luft machen, so wie hier oder hier. Über Kommentare zu meinen Überlegungen freue ich mich sehr.

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3 Comments

  • Susanne

    Das stimmt, unsere Vorgängerinnen haben viel bewegt, von dem wir heute profitieren und auf dem wir aufbauen können – insofern bin ich beim Salut und beim Prost dabei!

    Ich denke aber, es gibt noch viel zu tun, Du hast einige Stichworte genannt – Pandemie, Gender Pay Gap, Old Boys Network -, gläserne Decken müssen aufgebrochen werden, die Kinderbetreuung muss ganztägig gewährleistet werden, die auch gegenseitige typisch deutsche Diffamierung (Rabenmutter vs. „Nur-Hausfrau“) muss aufhören etc.
    Oft erlebe zumindest ich – meist in meiner Generation (Baujahr 1968) und älter, aber nicht nur – kleine subtile Bemerkungen, von Männern UND Frauen, die so deutlich machen, wo die Denke immer noch steckt: Unser neu angeschafftes kleines Auto wird selbstverständlich mir zugeordnet (nein, mir gehört tatsächlich der „Große“), Männer merken an, dass ich gut gefahren wäre (würde man ihnen selbst nie sagen, das ist schließlich „normal“, auch wenn die Unfallstatistiken anderes aussagen), auch, dass man immer mal wieder als „Mädchen“ bezeichnet wird oder gefragt wird, wie man denn Berufstätigkeit mit Familie verbindet (wurde das ein Mann in Deutschland je gefragt?) etc. – die Liste wäre lang.

    Und selbstverständlich fühle ich mich massiv diskriminiert, wenn ich beim Friseur (Kurzhaarschnitt) und bei der Reinigung (Hemdbluse) das Doppelte zahlen muss wie die Herren 🙂

    Cheers nochmal auf uns Frauen und auch auf die jungen Netzfeministinnen, die heute aktiv sind in unserer Mission!

  • Heidi

    Ich stoße auf alle starken Frauen dieser Welt an, vor allem auf die, die den Weg zur Gleichberechtigung geebnet haben 🥂
    Danke für dieses Erinnern!!!
    Heidi

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