Richtig Lüften gegen Corona
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Richtig Lüften gegen Corona – vom Stoßlüften, Querlüften und Kippen

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Fenster auf! Fenster zu! Frischluft! Es zieht! Womöglich kaum ein Phänomen ist uns so in Fleisch und Blut übergegangen wie das Lüften von Räumen. Regelmäßig gibt es Diskussionen darüber, wie man es nun richtig macht. Und: Richtig lüften gegen Corona wird gerade sehr propagiert, um einigermaßen sicher durch die Pandemie zu kommen.

Stoßlüften, Querlüften, Kippen

Die sogenannten AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken), mit denen Deutschland bislang durch die Pandemie kam, sind um ein L für Lüften und ein C für die Corona-Warn-App ergänzt worden. Künftig gilt also in Deutschland die AHACL-Regel. Aber wie geht das nun, das richtig lüften gegen Corona?

Gute Fenster helfen

Angela Merkel hat sich schon vor 16 Jahren mit dem Thema befasst und ein Loblied auf unser Land gesungen: „Ich denke an dichte Fenster! Kein anderes Land kann so dichte und so schöne Fenster bauen“, sagte sie, noch bevor sie Kanzlerin wurde, in einem Interview.

Ich habe mir das erste Mal wirklich Gedanken über Fenster gemacht, als ich meinen Mann kennenlernte und er mir erzählte, dass sein Vater als Ingenieur Maschinen zum Bau von Fenstern entworfen und verkauft hat. Da gibt es gewaltige Unterschiede gerade, was die Dichtigkeit betrifft. Eine hochkomplexe Angelegenheit!

Bei einer unserer Reisen in Großbritannien konnte ich dann feststellen, dass es einen riesigen Unterschied zwischen deutschen und britischen Fenstern gab: Was habe ich gefroren, als der Wind so richtig durch die Ritzen pfiff! Dichtungen? Fehlanzeige. Ob sich das wohl inzwischen geändert hat?

In den USA und Canada war es auch nicht anders: während bei uns doppelte und inzwischen dreifache Verglasung schon Standard war, gab es dort immer noch die einfachen Scheiben, die man hochschieben konnte. Keine Falze, keine Dichtungen. Kippen? Unbekannt.

Lüften sorgt im Ausland für Staunen

Was bei uns zu teils heftigen Diskussionen in Schulen und Büros führt und jeweils eine feste Anhängerschaft hat, ist in anderen Ländern eher unbekannt und sorgt für Kopfschütteln. Nicht nur, dass dieses seltsame Volk sogar im Winter Frischluft in die Wohnungen lässt, nein, sogar gegen Corona soll diese unglaubliche Sitte jetzt helfen.

Aber mittlerweile spricht sich das mit dem Lüften auch im Ausland herum. Briten beispielsweise lernen gerade den Unterschied zwischen Stoß- und Querlüften kennen, während für Amerikaner Fenster mit Kipp-Funktion immer noch völlig unbekannt sind.

Deutsche Fenster erlauben Vieles

So versuchte die britische Zeitung The Guardian vor kurzem das Konzept des Lüftens zu erklären. Berlin-Korrespondentin Kate Connolly erläuterte den Unterschied zwischen „Stoßlüften“ (auf Englisch: impact ventilation) und „Querlüften“ (cross ventilation). Stoßlüften sei komplettes Fensteröffnen von mindestens fünf Minuten morgens und abends. Querlüften sei das Öffnen aller Fenster in Wohnung oder Haus, um die abgestandene Luft raus und frische Luft rein zu lassen.

Richtig Lüften gegen Corona - vom Stoßlüften, Querlüften und Kippen - typische englische Fenster
Richtig Lüften gegen Corona – vom Stoßlüften, Querlüften und Kippen – typische englische Fenster

In Deutschland gäbe es Fenster mit ausgeklügelten Scharnieren und Angeln, die verschiedene Lüfttechniken ermöglichten, erläuterte die Autorin:

„In Germany, windows are designed with sophisticated hinge technology that allows them to be opened in various directions to enable varying degrees of Lüften“ (Deutsche Fenster haben weit entwickelte Aufhängetechniken, die sich in verschiedenste Richtungen öffnen lassen. Dadurch erlauben sie verschiedene Lüftungsmöglichkeiten).

Na, das ist doch mal ein Lob! Deutschland ist aus angelsächsischer Sicht jetzt also auch das Land des Lüftens. Das Wort findet womöglich Einzug in den englischen Wortschatz, wie beispielsweise die Wörter Kindergarten oder Katzenjammer.

Und auch manche Amerikaner staunen, wenn sie sehen, dass in Deutschland Fenster nicht nur wie eine Tür geöffnet, sondern auch gekippt werden können.

Wie lüftet man richtig?

Das Robert Koch-Institut (RKI) warnt auf seiner Website: „Bei längerem Aufenthalt in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen kann sich die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Aerosole auch über eine größere Distanz als 1,5 Meter erhöhen, insbesondere dann, wenn eine infektiöse Person besonders viele kleine Partikel (Aerosole) ausstößt, sich längere Zeit in dem Raum aufhält und exponierte Personen besonders tief oder häufig einatmen.

In der Corona-Zeit will man gesund bleiben und soll eben nicht erst die Fenster aufmachen, wenn es mal wieder „wie im Raubtierkäfig“ müffelt, sondern schon eher.

Schon verstanden, Lüften ist wichtig. Doch wie macht man es richtig? Was ist die beste Methode zum Lüften? Stoßlüften, Querlüften, Fenster auf Kipp?

Durch das Lüften gelangt Frischluft in den Raum, wodurch die Aerosolkonzentration gesenkt werden kann. Je mehr Frischluft zugeführt wird, desto stärker werden die Aerosole in der Raumluft verdünnt.

Faustregel

Richtig Lüften gegen Corona – Eine Stoßlüftung, weit geöffnete Fenster, über mehrere Minuten oder – noch wirksamer – eine Querlüftung sollte als Faustregel für im Schnitt mindestens 10 bis 15 Minuten durchgeführt werden. Im Sommer könnte 20 bis 30 Minuten gelüftet werden, während im Winter bei großen Temperaturunterschieden auch schon mal fünf Minuten ausreichend sein können. 

(Quelle: www.infektionsschutz.de/coronavirus/alltag-in-zeiten-von-corona/)

„Es zieht“ hat Pause

Unser typischer Reflex „Es zieht!“ gehört wohl in der Corona-Zeit abgeschafft, genau so wie der Spruch: „Erstunken ist noch keiner, erfroren schon“. Lieber sollten wir immer Jacke und Schal bereit haben. Und wie war das noch mit den warmen Gedanken?

OMG, Rolläden!

Aber zurück zu unseren tollen Fenstern. Ja, sie haben Scharniere, ja, man kann sie kippen. Und dicht sind sie auch. Aber hättest du daran auch nur einen Gedanken verschwendet? Ich nicht, bis mir mein Mann ein Youtube-Video gezeigt hat unter „German Windows“.

Richtig Lüften gegen Corona - OMG, Rolläden!
Richtig Lüften gegen Corona – OMG, Rolläden!

Eine in München wohnende Amerikanerin namens Dana ist in einem Video fünfeinhalb Minuten lang ganz außer sich: „The concept of Fenster kippen was completely unknown to me.“ Sogar die großen Balkonfenster könnten das, unfassbar.

Und erst die Rolläden!!! Oh my God! Darüber gibt es ebenfalls Videos aus aller Welt: Man könne die herunterlassen, wenn man Migräne habe, begeistert sich die gebürtige Kenianerin Lynet Amimo auf ihrem Kanal, alles werde dunkel, wie bei Nacht. Und „This is the kind of advanced civilisation we are living among today“, rühmen Scott und Brian auf einer Reise in Erfurt.

(Quelle: www.faz.net/aktuell/feuilleton/staunen-ueber-deutsche-fenster)

Richtig Lüften gegen Corona - Fenster auf
Richtig Lüften gegen Corona – Fenster auf

Fazit

Unser Winter wird ein Winter des Lüftens, gerade auch nach dem Sport meiner 30-Tage-Challenge: Fit im November-Lockdown, das haben wir jetzt verstanden, oder? Hoffen wir mal, dass es gegen die immer noch steigenden Zahlen der Corona-Neuinfektionen hilft. Richtig Lüften gegen Corona ist ein weiterer Baustein, um gegen das Virus zu bestehen.

Also: Abstand, Hygiene, Alltagsmasken, Lüften und Corona-App – Das sind die Bausteine im Moment. Hältst du dich dran? Oder findest du das alles doch sehr übertrieben?

Für mich gehören diese Regeln fast schon zum Alltag und ich hoffe sehr, dass wir den Winter damit überstehen. Schließlich sehnen wir uns doch alle wieder nach mehr Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, oder?

Wie geht es dir mit all den Einschränkungen unseres Lebens? Erzähl doch mal von deinen Erfahrungen.

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